Häufig wird der Begriff „psychoanalytische Psychotherapie“ mit „Psychoanalyse“ gleichgesetzt.

Umgangssprachlich wird auch die analytische Psychotherapie im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung oft als Psychoanalyse bezeichnet. Als eines der drei von den Krankenkassen finanzierten, psychotherapeutischen Behandlungsverfahren orientiert sich die analytische Psychotherapie eng an der Psychoanalyse, ist jedoch mehr Einschränkungen unterworfen. Diese werden durch die Psychotherapie-Richtlinien vorgegeben.

Für die Psychoanalyse im engeren Sinn gilt, dass sie kein vorgegebenes, klar umschriebenes Behandlungsziel festlegt, wie es für die Richtlinien-Psychotherapie vorgeschrieben ist. Dadurch stellt sie kein Behandlungsverfahren im Sinne der sog. Psychotherapie-Richtlinien dar. Das heißt konkret, dass gesetzliche und private Krankenversicherungen die Kosten für Psychoanalysen nicht übernehmen.

Krankenkassen bieten eine psychotherapeutische Grundversorgung

Sie orientieren sich nicht daran, was als optimale Behandlung gilt, sondern was ausreichend und wirtschaftlich ist. Dafür gewährleisten sie jedoch die Kostenübernahme für Psychotherapie, was in den meisten anderen Ländern nicht der Fall ist.

Wir haben also im deutschen Gesundheitssystem einen im internationalen Vergleich sehr hohen Versorgungsstandard.

In manchen Fällen kann es jedoch von Vorteil sein, diesen aus Kostengründen vorgegebenen, engeren Rahmen der Krankenversicherungen zu erweitern, und eine Psychoanalyse zu wählen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich im Rahmen eingehender Gespräche vor Beginn einer Therapie erkennen lässt, dass aktuelle Beeinträchtigungen und Erkrankungen auf tiefer liegende Störungen der lebensgeschichtlichen Entwicklung verweisen, deren Veränderung am besten durch einen längerfristigen, „offeneren“ (d.h. nicht durch versicherungsrechtliche Vorgaben eingeschränkten) Entwicklungsprozess zu erreichen ist. Dieser Prozess umfasst in der Regel mehrere Jahre und erfolgt häufig in vier bis fünf analytischen Sitzungen pro Woche.

Ob dieses Behandlungsverfahren für Sie notwendig und geeignet ist, lässt sich in eingehenden, persönlichen Gesprächen klären.

Psychoanalytiker, die in ihrer Praxis diese intensiven Behandlungen anbieten, sind hierfür besonders ausgebildet. Sie haben ihre Ausbildung in der Regel an Ausbildungsinstituten der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung absolviert. Deren hohe Ausbildungsstandards legen fest, dass sie ihm Rahmen ihrer Ausbildung mehrere Psychoanalysen unter regelmäßiger Supervision und mit vier bis fünf Analysestunden pro Woche durchgeführt haben müssen. Auch während ihrer sogenannten „Selbsterfahrung“, einem festen Bestandteil jeder therapeutischen Ausbildung, haben sie diesen intensiven Entwicklungsprozess kennengelernt, und wissen somit um die Besonderheiten dieses Verfahrens aus eigener Erfahrung.

Wissenschaftliche Langzeitstudien zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen hoher Behandlungsdauer und -frequenz und der Nachhaltigkeit des Behandlungserfolges. Patienten, die eine Psychoanalyse oder eine analytische Psychotherapie absolvierten, berichteten auch Jahre nach Abschluss ihrer Behandlung über deutliche, eigenständige Verbesserungen ihrer Beziehungsfähigkeit, Gesundheit, Lebenszufriedenheit, Arbeitsfähigkeit und Kreativität. Die Wahrscheinlichkeit eines so positiven Ergebnisses stieg mit der Zahl der Wochenstunden und der Dauer der Behandlung.

Patienten profitieren so über die Behandlung hinaus nicht nur von einer Beseitigung ihrer Beschwerden, sondern auch von einer positiven Weiterentwicklung ihrer seelischen Gesundheit.

Gelten diese Ergebnisse nur für psychoanalytische Verfahren?

Heute ist bekannt, dass Psychotherapien in der Lage sind, neurobiologische Veränderungen im Gehirn zu bewirken. Diese Veränderungen gelten als Voraussetzung für einen nachhaltigen Behandlungserfolg, sind jedoch nicht spezifisch für psychoanalytische Verfahren. Auch eine Verhaltenstherapie, die über einen entsprechend langen Zeitraum fortgesetzt werden würde, hätte bessere langfristige Behandlungsergebnisse. Das ist jedoch in den kassenrechtlich verbindlichen Psychotherapie-Richtlinien nicht vorgesehen.

Wie wirkt eigentlich eine psychoanalytische Behandlung?

Beide Verfahren – die Psychoanalyse, aber auch die analytische Psychotherapie – bieten einen interpersonellen Raum, um mit Hilfe der analytischen Grundregeln (freies Assoziieren auf Seiten des Analysanden, gleichschwebende Aufmerksamkeit und sog. technische Neutralität – z.B. kein Bevorzugen oder Bewerten irgendeines Themas – auf Seiten des Analytikers) in eine Auseinandersetzung zu treten. Darüber kann im Laufe der Zeit eine tief greifende Veränderung neurotischer  Konfliktverarbeitungsmuster erreicht werden.

Dieser Raum wird geprägt durch sogenannte Übertragungen. Das sind – vereinfacht gesagt – Beziehungsmuster, die in der lebensgeschichtlichen Entwicklung zu wichtigen Bezugspersonen entstehen, und die nun in der aktuellen Beziehung zum Analytiker auftauchen, bearbeitet und verstanden werden können. Eine Veränderung soll stattfinden, wenn diese Beziehungsmuster zu Störungen und leidvollen Erfahrungen führen.

Moderne Entwicklungen der Psychoanalyse betonen hierbei eine veränderte Rolle des Analytikers, der nicht mehr als unbeteiligter Beobachter „hinter der Couch verschwindet“. Seine Beteiligung im analytischen Prozess gewinnt vielmehr eine neue Bedeutung.

Diese Veränderung lässt sich gut anhand des Vorwortes zum Buch „Im analytischen Raum“ von Antonino Ferro, illustrieren, das von Werner Bohleber, DPV-Analytiker und u.a. Herausgeber der Zeitschrift „psyche„, geschrieben wurde (Zitat):

Die klinische Theorie der Psychoanalyse hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer ausschließlich intrapsychischen Sichtweise zu einem intersubjektiven Verständnis der analytischen Situation weiterentwickelt. In allen psychoanalytischen Schulen hat es eine Bewegung hin zu mehr interaktiven Konzepten gegeben. (…) Die persönliche Involvierung des Analytikers wird nicht mehr als ein Hindernis, sondern als notwendiger Bestandteil eines fruchtbaren analytischen Prozesses angesehen. Das ursprüngliche Subjekt-Objekt-Paradigma wurde durch die Beziehung von Selbst und Anderem oder durch eine Subjekt-Subjekt-Konzeption des analytischen Prozesses ersetzt. Eine solche Auffassung verändert auch die Position des Analytikers, der nicht mehr als unabhängiger Beobachter des analytischen Prozesses gelten konnte, der die Bedeutung des seelischen Materials dekodiert und wie ein Schiedsrichter zu entscheiden hat, was im Verhalten des Patienten verzerrende Übertragung und was der Realität angemessen ist. Vielmehr wird Psychoanalyse heute als ein Dialog von Analytiker und Patient definiert, in dem beide Partner bestrebt sind, gemeinsam zu verstehen, wie das emotionale Erleben des Patienten organisiert ist. Sie tun dies, indem sie versuchen, die intersubjektiv konfigurierte Erfahrung zu klären.

(Zitat Ende) Aus: Ferro, Antonino: Im analytischen Raum. Psychosozial-Verlag, Gießen (2005): S.7

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Eine analytische Psychotherapie wird nach einem entsprechenden Antrag und dessen Bewilligung in einem Umfang von bis zu 300 Stunden bei zwei- bis dreistündiger Stundenfrequenz in der Woche durch Ihre gesetzliche Krankenkasse übernommen. Unter bestimmten Umständen werden zeitlich begrenzt auch vierstündige Behandlungsabschnitte im Rahmen einer analytischen Psychotherapie von Ihrer Krankenversicherung bewilligt.Welche Kostenübernahme seitens einer privaten Krankenversicherung möglich ist, hängt von Ihren individuellen Vertragsvereinbarungen ab.

Welche Kostenübernahme seitens einer privaten Krankenversicherung möglich ist, hängt von Ihren individuellen Vertragsvereinbarungen ab.

Aus den oben genannten Gründen biete ich analytische Psychotherapie über die gesetzlich begrenzte Behandlungsfrequenz und -dauer im Sinne der kassenärztlichen Richtlinien und im besonders begründeten Einzelfall auch als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung an. Kosten, die nicht von einer Krankenversicherung übernommen werden,  werden in diesem Rahmen privat getragen.